Falsche Versprechen

Da staunte Michael Dell, Chef des drittgrößten Computerherstellers weltweit, sicher nicht schlecht, als Greenpeace-Aktivisten ein Transparent mit folgender Aufschrift auf einem Dell-Gebäude ausrollten: „Michael, what the Dell? Design out Toxics!“ Gedacht was das Transparent als mahnende Erinnerung an ein vier Jahre altes Versprechen des Unternehmens: Den Verzicht auf Giftstoffe wie PVC und bromhaltige Flammschutzmittel in der Herstellung.

Dell ist dabei aber nicht der einzige PC-Hersteller, der dieses Versprechen 2006 öffentlich gemacht und bisher nicht eingehalten hat. Acer, HP, Lenovo oder Samsung reihen sich unter anderem in den Reigen der Versprechensbrecher ein. Zu mehr Umweltschutz verpflichteten sich vor vier Jahren fast alle großen PC-Hersteller, als Greenpeace mit dem „Leitfaden für grüne Elektronik“ eine Rangliste veröffentlichte, die Hersteller nach ihren Umweltzielen und tatsächlich umgesetzten Maßnahmen bewertet.

„Die meisten IT-Giganten hatten mit der Veröffentlichung von Fristen für ihren freiwilligen Verzicht auf die Stoffe reagiert und dafür Bonuspunkte im Greenpeace-Ranking kassiert. (…) Heute, nach Ablauf der ersten Fristen, ergibt sich ein jämmerliches Bild: Gerade mal ein Computerhersteller, Apple, hat Wort gehalten und damit die technische Machbarkeit demonstriert. Die restlichen blockieren sich gegenseitig.“ berichtet das c’t magazin dazu in Ausgabe 17/10.

Kurzum: Bis heute verwenden fast alle PC-Hersteller weiterhin die gefährlichen Chemikalien PVC und BFR (engl. Abkürzung für bromierte Flammschutzmittel). Apple setzt dagegen auf Ersatzstoffe, die im Vergleich zu ihren giftigen Vorgängen aber auch teurer sind. Fragt sich nun, welche Begründungen die anderen Hersteller hervorbringen, um das Verschieben ihrer Umweltschutz-Fristen auf die nächsten Jahre zu rechtfertigen. Eine HP-Sprecherin erklärte gegenüber der dpa, dass vergleichbare und entsprechend leistungsfähige Materialien, um alle Produkte ohne PVC und BFR ausliefern zu können, bislang nicht ausreichend verfügbar seien. Bis 2011 will man aber soweit sein. Auch Sony nannte als neue Deadline das Jahr 2011, Fujitsu beispielsweise erst 2013.

Bleibt zu hoffen, dass die verschobenen Versprechen zur nächsten Frist eingehalten werden. Ansonsten müsste man fast annehmen, dass PVC und BFR dem ein oder anderen gehörig das Erinnerungsvermögen vernebeln… ☺

(Bildquelle: Greenpeace)

Ein Kommentar

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  1. ja, nicht nur in der Politik ist das Erinnerungsvermögen manchmal schlecht, aber diese Art von Öffentlichkeitsarbeit nervt!

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