Bürokratische Blockaden

ObstaclesIn einem meiner letzten Beiträge kam es schon zur Sprache: Die Nutzung staatlicher Green IT-Fördermittel wird von deutschen Unternehmen kaum in Anspruch genommen. Die Schlussfolgerung des Green IT Beratungsbüros: Die Unternehmen beschäftigen sich zu wenig mit möglichen Einsparpotentialen ihrer IT-Systeme. Doch vielleicht hat die unternehmerische Zaghaftigkeit ja noch eine weitere, nicht unerhebliche Ursache? In einem Computerwoche-Artikel ist nämlich zu lesen, dass die Beantragung solch staatlicher Finanzspritzen einem Hindernislauf gleich kommt…

Die erste Hürde: Verklausulierte Anträge, die kaum einer versteht. Kostprobe gefällig?

„Dieses Green IT Assessment kann durch freihändige Vergabe gemäß VOL/A §3 Nr. 4p auf Grund einer befristet bis 31.12.2010 geltenden Erlassregelung des BMVBS zur Konjunkturstärkung beauftragt werden. Die Dringlichkeit gemäß VOL/A § 3 Nr. 4f ist mit genannter Erlassregelung unterstellt.“

Darüber hinaus ist zu beachten, dass es zwei unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten gibt: Die Spitzen- und die Breitenförderung. Erstere musst erst beantragt und geprüft werden, bevor der Antragsteller in Sachen Green IT loslegen darf. Bis dahin gehen in der Regel zwei bis vier Monate ins Land:

„Für IT-Verantwortliche und ihre Planungen ist dieser Zeitverzug inakzeptabel. Wenn erst einmal auf die Bewilligung von Fördergeldern gewartet werden muss, (…) kommt die gesamte Planung ins Stocken.“ Des Weiteren ist die Spitzenförderung nur bei Techniken oder Projekten möglich, die erstmals in Deutschland oder einer Branche eingesetzt werden und eine besondere Umweltentlastung erzielen können. Erstmals heißt in diesem Zusammenhang, „dass im Prinzip nur der erste interessierte Mittelständler für ein neues Kühlungsprojekt in seinem Rechenzentrum Fördermittel bekomme. Der nächste Betrieb, der seine Kühlung renoviere, müsse diesem Projekt schon einen anderen Dreh geben, noch einen Aspekt hinzufügen, damit unter der Richtlinie der Erst- und Einmaligkeit Gelder fließen“.

Wer es dennoch schafft, sich durch den schwer verständlichen Antragswust zu kämpfen, reicht den offiziellen Förderantrag inkl. einer Skizze des geplanten Projekts bei der KfW-Bankengruppe ein. Diese leitet ihn zur Prüfung an das Umweltbundesamt und das Beratungsbüro der Bitkom weiter. Im nächsten Schritt folgt eine Prüfung durch das Umweltministerium, was wiederum vier bis sechs Wochen dauern kann. Erhält der Antragsteller dann endlich den Bescheid, dass „eine grundsätzliche Förderfähigkeit angestrebt werden kann,“ muss er erneut einen Projektantrag stellen, dieses Mal mit detaillierten Zahlen.

Etwas einfacher hat man es mit der Breitenförderung, die man sogar noch einen Tag vor Abschluss eines Green IT-Projekts über seine Hausbank beantragen kann. Die Hausbank tritt dann mit der KfW-Bank für die Bereitstellung eines zinsvergünstigten Darlehens in Kontakt:

„Voraussetzung für die Zahlung solcher Gelder (…) ist der Nachweis, dass sich mit dem Projekt bei einer Neuinvestition eine um 15% bessere Energieeffizienz erzielen lässt, als sie der Branchendurchschnitt aufweist. Handelt es sich lediglich um Ersatzinvestitionen, gilt es, 20% Energieeffizienz im Vergleich zum Branchendurchschnitt nachzuweisen.“

Sie blicken gar nicht mehr durch? Da geht es vielen förderwilligen Unternehmen wohl genauso. Vielleicht sollte der Staat darüber nachdenken, der finanziellen Unterstützung ökonomisch wie ökologisch wichtiger Green IT-Projekte weniger bürokratische Steine in den Weg zu legen. Das wäre doch mal ein kluger Plan 🙂

(Bildquelle: © cxvalentina – Fotolia.com)

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar»
  1. Das würde ich aber auch sehr befürworten, vor allem, weil es meinen Job erheblich vereinfachen würde … 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.