Wirrwarr, ade!

Kabelsalat. Schwarzer, unübersichtlicher Kabelsalat: Das ist das Erste, was ich erblicke, wenn sich zuhause die Schublade mit den Handy-Ladegeräten öffnet. Schon erstaunlich, welche Hersteller und Modelle sich da in den letzten Jahren angesammelt haben. Nur das Ladegerät, das man gerade dringend braucht, ist nicht auffindbar oder es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man es aus dem gemeinen Kabelgewirr befreit hat.

Doch damit kann schon bald Schluss sein, denn dann soll für das Aufladen datenfähiger Mobiltelefone sämtlicher Hersteller ein einziges Gerät reichen, wie es in einem aktuellen Stern.de-Artikel zu lesen ist:

„Auf Druck der EU-Kommission haben sich die führenden Hersteller von Mobiltelefonen auf einen einheitlichen Standard für Handy-Netzteile geeinigt. (…) Zehn Unternehmen unterzeichneten (…) eine entsprechende Absichtserklärung. Sie decken 90 Prozent des Marktes ab. EU-Industriekommissar Günter Verheugen rechnet damit, dass sich auch der Rest der Hersteller bald anschließt. (…)“

Ab 2010 sollen die ersten Modelle dieser neuen Handygeneration auf den Markt kommen.

Der Vorteil: Wenn die Nutzer dieser Handys irgendwann zu einem anderen Hersteller wechseln, benötigen sie kein neues bzw. anderes Ladekabel mehr. Der Vorteil: Millionen unnützer, nicht mehr benötigter Ladegeräte sind durchaus ein negativer Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Der Nachteil: Um die neuen Ladegeräte nutzen zu können, benötigt man auch ein neues Handy mit passendem Anschluss. Mobiltelefone älterer Generationen lassen sich nicht anpassen. Aber vielleicht nehmen wir dennoch Millionen nicht mehr benötigter Handys in Kauf, die ja irgendwie auch ein negativer Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit sind…

In jedem Fall klingt die Einigung sinnvoll: Der gemeinsame Anschluß der Zukunft ist ein USB-Anschluss, und zwar die Variante, wie sie heute schon beispielsweise an Kameras sehr verbreitet ist. Bitterer Beigeschmack: Das ganze ist nicht der Vernunft der Hersteller entsprungen, sondern dem Druck der EU, wie man dem Sternartikel weiter unten entnimmt.

Mit der industrieinternen Lösung sei eine gesetzliche Regelung der EU nun nicht mehr nötig, sagte Verheugen. Die EU-Kommission hatte den Handy- Herstellern mit einer Regulierung gedroht, sollte kein einheitlicher Netzteil-Standard geschaffen werden.

Die EU als Handyregulierer? Trotz des erfreulichen Ergebnisses hat diese Art von Politikverständnis etwas gruseliges….

2 Kommentare

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  1. diese Art von Schubladen kenne ich auch und selbst wenn man sich die Mühe macht diese Schubladen auszumisten irgendwie ist innerhalb kürzester Zeit doch wieder alles verwickelt! Und jetzt gehöre ich wirklich zu den Handy-Nutzern, die äußerst selten Ihr Gerät wechseln und deshalb naturgemäß wenig Ladegeräte besitzen, eigentlich tausche ich mein Handy erst wenn das Gerät nicht mehr funktioniert und nicht im Zuge einer damit einhergehenden Vertragsverlängerung – hat übrigens auch was mit Nachhaltigkeit zu tun 🙂 Bravo an die Damen und Herren der EU-Kommission!

  2. naja, Zeit war es… Es hätte ja gereicht, wenn wenigsten die Hersteller innerhalb ihrer Modelle einheitliche Ladekabel gehabt hätten aber es gibt ja allein schon an die zehn verschiedene Nokia-Kabel. Daher kommt doch der Graus

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