Meinungsverschiedenheiten

„IT ist nicht grün und kann es auch niemals sein“: Diese äußerst polarisierende Behauptung stammt von der Deutsche Bank Research, geleitet durch Chefvolkswirt Norbert Walter. Auf diesem Weg möchte der Research (laut eigener Aussage „einer der weltweit bedeutenden Think Tanks für Trends in Wirtschaft, Gesellschaft und Finanzmärkten“) darauf hinweisen, dass die Nutzung des Begriffs „Green IT“ mit zahlreichen Fehlinterpretationen verbunden ist.

Selbstverständlich wird die Behauptung mit zahlreichen Fakten untermauert, welche ich an dieser Stelle direkt aus dem zu diesem Thema veröffentlichten Heise-Artikel zitieren möchte:

„Die ITK-Branche sei nicht nur für 2 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich (was den Emissionen in der Luftfahrt entspreche) sondern auch für eine enorme Zunahme des Stromverbrauchs.“

„In Rechenzentren würden die Ausgaben für Energie achtmal schneller als die Ausgaben für Hardware steigen.“

„Über den Energieverbrauch hinaus müssten zudem Posten wie der anfallende Elektroschrott oder die Verträglichkeit der bei der Produktion eingesetzten Materialien berücksichtigt werden. So kämen bei der Herstellung von IT-Hardware etwa toxische Substanzen wie Blei, Quecksilber, Kadmium oder Brom zum Einsatz, was eine spätere Wiederverwertung erschwere und zu weiteren Umweltbelastungen führe.“

Nun ja: Alles in allem wirken diese Argumente – trotz ihrer nicht von der Hand zu weisenden Berechtigung – sehr einseitig auf mich. Schließlich muss man auch in Betracht ziehen, wie viel Energie und CO2-Ausstoß durch den steigenden Einsatz von IT-Prozessen an anderer Stelle eingespart werden. Schon allein die Möglichkeit, dank des Internets von überall aus arbeiten und kommunizieren zu können, lässt zahlreiche Autokilometer, Transportwege und somit CO2-Emissionen durch Abgase wegfallen. Darüber hinaus klingt die „enorme Zunahme des Stromverbrauchs“ nicht mehr so drastisch, wenn man bedenkt, dass man Strom auch aus sauberen, erneuerbaren Energiequellen beziehen kann.

Sicher lässt sich nicht bestreiten, dass viele Unternehmen den Begriff „Green IT“ zur Aufpolierung ihres Images und Steigerung ihrer Umsätze missbrauchen – und auf diesem Weg anderen Firmen schaden, die es mit der grünen Technologie tatsächlich ernst meinen und viel Geld in ihren Beitrag für eine saubere Umwelt investieren. Vielmehr stellt sich mir die Frage, ob unsere Banker in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation (an der sie nun wirklich alles andere als unbeteiligt sind) gerade nicht ganz andere Probleme zu analysieren und verbessern haben 😉

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