Wenn mein Auto mich verpfeift oder Big Brother mit four Wheels

Zum Jahr 2020 sollen 250 Millionen Autos mit Internet-Anschluss voll vernetzt auf den Straßen sein. Wird eigentlich auch Zeit: Endlich können dann die Autos automatisch Staus frühzeitig erkennen und umfahren, mein Navi ist immer auf neuestem Stand, der Termin für den fälligen Service in der Werkstatt ist gleich gebucht, bei einer Panne ist der Abschleppdienst informiert. Und wenn mein Auto geklaut wird, weiß die Polizei gleich, wo sie suchen muss. Hört sich wirklich gut an.

Aber als IT-Fachmann bin ich mir auch sehr bewusst, dass diese permanente Rückmeldung des vernetzten Datenmaterials an Dritte nicht nur Vorteile hat. Die ganzen Infos können durchaus auch gegen mich verwendet werden und bieten ungeahnte Möglichkeiten für Hersteller, Navi-Software-Entwickler, ADAC, Polizei, Gesetzgeber, etc. Und da die Vernetzung auf IT basiert und IT nun mal ihre Schwachstellen hat, auch für Hacker, die sich unbefugt meine Daten beschaffen.

Gleich ist dann das alles plötzlich nicht mehr so schön: Wenn ich einen Unfall habe und mein Auto ruft gleich die Polizei dazu, ist das hilfreich. Aber wenn mein Auto meine Geschwindigkeit misst und es im Falle einer Geschwindigkeitsüberschreitung der Polizei meldet, ist das schon weniger wünschenswert.

Noch brisanter wird es, wenn es möglich ist, über den Rückkanal in die Steuerung meines Automobils einzugreifen: Parkhäuser, in denen das Auto sich selbst verräumt – super. Aber wenn man mit der gelben Umweltplakette nach München rein fahren will und das Auto wird deaktiviert – dann bin ich nicht mehr so begeistert. Und wenn ich auf der kriminellen Schiene weiterdenke: Ein Auto fährt gegen einen Brückenpfeiler, weil der Fahrer von einem Hacker aus dem Weg geräumt werden soll und das Ganze sieht wie ein Unfall aus. Dann wird’s schon gruselig.

Sicherheitslücken werden bestimmt nicht weniger werden und auch der Staat ist – siehe Autobahnmaut – immer hochinteressiert an den Daten seiner Bürger. Wenn also in fünf Jahren wirklich alle Autos vernetzt sind und die Daten ihrer Besitzer großzügig verfügbar halten, dann werde ich ziemlich sicher wieder auf meinem Fahrrad ins Büro fahren. Und da SpaceNet ohnehin auf Nachhaltigkeit und Ökostrom setzt, krieg ich auch noch Pluspunkte beim Chef.

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