Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Muss die e-Mail ernsthafte Konkurrenz befürchten? Stirbt das gute alte „Briefmarken schlecken“ ein für allemal aus? Seit Einführung des E-Briefs am 14. Juli völlig berechtigte Fragen. Oder etwa nicht?

Rechtssichere Briefe vertraulich und im Eiltempo einer e-Mail zu verschicken? Was nach einem Traum für Praktikanten klingt, die nach Feierabend noch kistenweise Firmenbriefe in die nächste Postfiliale bringen müssen, soll der neue E-Brief der Deutschen Post jetzt möglich machen. Doch kaum auf dem Markt, steht der E-Brief schon in der Kritik. Besonders praktisch und sicher sei das Verfahren nämlich nicht, fanden beispielsweise Redakteure der Stiftung Warentest heraus.

Kritikpunkt 1: Schon die Anmeldung zum E-Postbrief erweist sich als umständlich. Erst hat sich der Nutzer auf der Deutschen Post-Webseite zu registrieren, um sich eine persönliche Adresse zu sichern. Per SMS erhält er dann eine TAN zur Anmeldungsbestätigung. Anschließend soll der Nutzer eine Postfiliale aufsuchen, um sich per Postident zu identifizieren. Um das wiederum erledigen zu können, muss er erst auf die passenden Unterlagen warten, die ihm die Post einige Tage nach der Anmeldung per Brief zuschickt.

Kritikpunkt 2: die Sicherheit. Absolut vertraulich ist der Standard-E-Postbrief nicht. Als Verschlüsselungsprotokoll kommt hier TLS zum Einsatz, eine etablierte Technik, die angeblich schon durch das ein oder andere Sicherheitsleck auffiel. Verfügt der Empfänger über kein digitales Postfach, muss er sich den Brief zudem in der Postfiliale ausdrucken lassen, wobei die Angestellten dort theoretisch mitlesen können. Dies wiederum lässt sich nur durch zusätzliche Zertifikate verhindern.

Nicht zu vergessen: die Gebühren. Genau wie beim analogen Gegenstück kostet der Versand eines E-Briefs 55 Cent. Hinzu kommen 10 Cent pro gedruckte Seite, wenn dem Empfänger (weil er über kein digitales Postfach verfügt) der E-Brief klassisch auf Papier zugestellt werden muss. Zurück in die Steinzeit? Vertrauliche E-Mails zu senden ist schon seit etlichen Jahren für jeden verfügbar. Warum sollte man jetzt dafür jetzt Geld zahlen?

Fazit: Ein digitaler Brief, dessen Versand mindestens genauso viel kostet wie bei einem analogen Schreiben, dessen Vertraulichkeit in einem zweifelhaften Licht steht und bei dem schon die Anmeldung einem kleinen, bürokratischen Spießrutenlauf gleicht. – Das klingt doch praktischer und moderner als: Brief tippen, drucken, in den Umschlag und dann den Briefkasten stecken. Oder etwa nicht?  ;-)

(Bildquelle: © Ali Taylor – Fotolia.com)

2 Kommentare

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  1. ines
    27. Juli 2010 (13:40) | Permalink
    1

    also für mich klingt das schlicht nach unnötig ;)

  2. Neo2
    28. Juli 2010 (08:52) | Permalink
    2

    ich bekomme und schreibe privat auch ab und an sehr gerne gute, altmodische Briefe ;-)

    Leider gibt es in meinem Wohnort keine Postfiliale mehr ;-( Nervig! Jetzt müsste ich erst einmal recherchieren wo ich überhaupt die Briefmarken bekomme

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