Stellen Sie sich einmal folgendes vor: Sie möchten ein Grundstück kaufen, um darauf ein Haus zu bauen, doch dann heißt es: „Geht nicht. Es stehen keine freien Adressen mehr zur Verfügung.“ Im wahren Leben eine wahrlich skurrile und höchst unwahrscheinliche Vorstellung. Im Internet dagegen nicht…
Wegen des damals nicht zu erwartenden Internet-Wachstums herrscht mittlerweile eine frappierende Knappheit an IPv4-Adressen. Nach einem aktuellen PC WELT-Bericht hat die NRO (Number Resource Organization), ihres Zeichens Koordinationsstelle der fünf regionalen Internet Registries, nun bekannt gegeben, dass aktuell weniger als 10% aller IPv4-Adressen noch nicht zugewiesen wurden. Insgesamt bietet der IPv4-Adressraum mehr als 4 Milliarden „Internet-Hausnummern“ – aktuellen Schätzungen und dem IPv4 Exhaustion Counter zufolge ist der Vorrat an freien IPv4-Adressen in rund 600 Tagen erschöpft.
Angesichts dieser Tatsache ist es also dringend erforderlich, dass sowohl Wirtschaft als auch Regierungen die Umsetzung des Nachfolgestandards IPv6 aktiv vorantreiben. Und das aus gutem Grund. Nicht nur, dass sich der Adressraum damit auf rund 340 Sextillionen (!) Adressen vergrößern lässt; auch die Verbesserung des Protokollrahmens, eine zustandslose und automatische Konfiguration von IPv6-Adressen, die Implementierung von IPsec (ermöglicht die Verschlüsselung und Authentizitätsüberprüfung von IP-Paketen) und weiteren Features würde ein Umstieg auf IPv6 mit sich bringen. Trotz der absehbaren Adressknappheit gibt es nach Meinung der NRO immer noch zu wenig Aktivität, was den Umstieg auf IPv6 angeht:
„… es sei zu befürchten, dass zu viele Unternehmen aus Bequemlichkeit weiter nur die vertrauten IPv4-Adressen beziehen. Wenn diese in etwa zwei Jahren erschöpft sind, könnte die dann zwangsweise nötige Umstellung eine gewisse Panik verursachen.“
Doch es gibt auch einige, die in Sachen IPv6 bereits mit gutem Beispiel voran gehen. Wie zum Beispiel das Bundesministerium des Inneren, welches mit der Weitervergabe von IPv6-Adressen alle Ebenen der deutschen öffentlichen Verwaltung umstellen will. Unterstützt wurde das BMI übrigens von meinem Brötchengeber, der SpaceNet, die bereits seit Jahren IPv6-Lösungen anbietet.
Bleibt zu hoffen, dass weitere Vertreter aus Wirtschaft und Regierung zügig folgen, denn eines ist sicher: Bei IPv4-Adressen handelt es sich um ein Auslaufmodell. Gut möglich also, dass das ein oder andere Exemplar bald nur noch unter der Kategorie “Sammeln & Seltenes” auf ebay zu ersteigern ist. Frei nach dem Motto: “Gebrauchte IPv4-Adresse ab 1 Euro abzugeben”… ?
(Bildquelle: http://inetcore.com/project/ipv4ec/index_de.html)