Neulich, an einem verregneten Fernseh-Sonntag, ereignete sich eine kleine Tragödie: Ich blieb während eines Zapping-Anfalls beim Musiksender VIVA stehen, ging kurz auf Toilette – und konnte danach die Fernbedienung nicht mehr finden. Warum das eine Tragödie war? Weil mir direkt nach dem gerade laufenden Musik-Video eine laute, nervtötende Klingelton-Werbespot-Orgie entgegen schallte. Mittlerweile machen Jamba und Co. nicht mehr nur dicke Kasse mit Handyklingeltönen – sondern auch merkwürdigen Fun-Softwares wie einem Nacktscanner oder einer Spy-Funktion, mit der man seine Freunde angeblich überall orten kann.
Macht man sich die Mühe und achtet auf das Kleingedruckte, dass in den Spots für nur wenige Sekunden eingeblendet wird, ahnt man schnell, warum es Fun-Software heißt: Diese Funktionen verfügen nämlich nicht wirklich über einen Röntgenblick und viele Spy-Softwares können auch nicht den Liebsten per Ortung beim Fremdgehen ertappen.

Alles andere als eine Fun-Software ist dagegen der Handy-Personenfinder, für den ein 13-jähriger Schüler kürzlich bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet wurde. Laut eines aktuellen Artikels auf stern.de funktioniert sein Ortungssystem folgendermaßen:
„Personen, die Angehörige vermissen, schicken eine Such-SMS auf das mit dem “X-Finder” ausgestattete GPS-Handy, das die vermisste Person bei sich trägt. Das Programm sendet dann selbstständig eine SMS mit den Aufenthaltskoordinaten des Gesuchten zurück. Über die Internetseite “Google Maps” lasse sich dann genau bestimmen, wo sich der Gesuchte aufhält. (…)“
Ursprung für die Erfindung ist übrigens der an Alzheimer erkrankte Opa des findigen Schülers. Mithilfe der Software soll es seine Oma einfacher haben, ihren Mann zu finden, falls dieser sich verläuft. Theoretisch kann man das System auch für nicht mehr auffindbare Gegenstände anwenden, wenn diese mit dem GPS-Handy verbunden sind. Mir würde dies auf jeden Fall weitere „Tragödien“ ersparen, wenn meine Fernbedienung mal wieder spurlos verschwunden ist…
Daß man das alles auch fürchterlich mißbrauchen kann, lasse ich heute einfach mal unerwähnt. Das weiß im 21. Jahrhundert hoffentlich eh jeder…
(Bildquelle: http://de.wiktionary.org)
