Statistik-Kosmetik?

Glückwunsch! Während sich am 08.08.08, dem ultimativen Schnapszahl-Tag, unzählige Brautpaare zu ihrer gegenseitigen Freiheitsberaubung in beiderseitigem Einvernehmen gratulieren ließen, beglückwünschte sich der amerikanische PC-Hersteller Dell dazu, laut eigenen Angaben das erste Unternehmen seiner Branche zu sein, welches vollkommen ohne Kohlendioxid produziert.

In einer Mitteilung des Hardware-Direktvertreibers hieß es, dass Dell seine Investitionen in saubere Sonnen,- Wind- sowie Biogas-Energie seit 2004 um ganze 870% gesteigert habe. Der am texanischen Hauptsitz verwendete Strom werde bereits vollkommen aus erneuerbaren Energiequellen bezogen. 

Aufgrund einer besseren Energieausnutzung spart das Unternehmen laut eigenen Angaben pro Jahr 3 Mio. US-Dollar bzw. 20.000 Tonnen CO2 ein. Um dem noch eins drauf zu setzen, plant Dell weitere Investitionen in Windenergie-Projekte in Indien, China und den USA. Auf diesem Weg würden bis zu 400.000 Tonnen CO2 eingespart (die saubere Energie, die Dell selbst verwendet, natürlich mit eingerechnet).

Befindet sich Dell nun also auf der Pole Position im Rennen um das „grünste“ IT-Unternehmen? Nicht, wenn es nach einem Umweltranking des amerikanischen Umweltschutzamtes geht: Dieses richtet sich nach der absoluten Menge an grünem Strom, der in Unternehmen verwendet wird – und auf diesem nimmt Dell zurzeit den eher bescheidenen 12. Platz hinter Intel (Platz 1) oder Cisco (Platz 7) ein. Laut Fortune-Liste liegt der gesamte Ökostromanteil von Dell bei 33%. 

Die Antwort auf die Frage, warum Dell o.g. Mitteilung veröffentlicht, kann doch nur eine der folgenden sein:

  1. Der Statistiker leidet unter Dyskalkulie
  2. Die Pressetante hat die Mitteilung versehentlich 5-10 Jahre zu früh veröffentlicht
  3. Der Gestank des Eigenlobs hat allen ordentlich das Hirn vernebelt  

(Bildquellen: Dell / www.geschichte-frankfurt.de)

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