Sicher ist sicher

Mein werter Schreibtischnachbar – der Einfachheit halber nenne ich ihn nur Herr B. – hat sich den unehrenhaften Titel „Virenschleuder auf zwei Beinen“ in letzter Zeit redlich verdient. Trotz mittlerweile hochsommerlicher Tem­pe­ra­tu­ren schafft er es immer wieder, sich fiese Er­kält­un­gen ein­zu­fangen. Leider behält er diese lästigen Infekte nicht für sich, sondern gibt sie mittels un­er­war­tet auf­tre­ten­der Weit­nies-Attacken weiter.

Deshalb bin ich ab sofort für die Einführung einer Quarantäne für Arbeits­kollegen mit ver­dächti­gen Er­kältungs­sym­ptomen! In etwa so, wie dazumal in Venedig: Bevor die Matrosen eines dort einlaufenden Schiffes an Land durften, mussten sie 40 Tage auf einer nahe gelegenen Insel ausharren, sie wurden dort isoliert. Erst wenn die Matrosen nach dieser Quarantänezeit noch immer einen gesunden Eindruck machten, wurden sie in die Stadt gelassen. Diese Praxis gibt es nicht mehr, aber die Worte haben überlebt. Dämmert’s? Insel - Isola - isoliert? 40 Tage - quaranta - Quarantäne

Mit verdächtig wirkenden e-Mails wird das heutzutage ja auch so ge­hand­habt: Alle Mails, die auf einem unserer spam- und virenprüfenden Gateways eingehen, werden überprüft. Handelt es sich dabei um eine Nachricht, die das System nicht eindeutig als virenfrei erkennt, kann diese für bis zu 24 Stunden in Quarantäne kommen, bis sie zum entsprechenden Empfänger weitergeleitet wird. Auf diesem Weg wird vorgebeugt, dass neue, noch unbekannte Viren in der Mailbox des Kunden landen. Umgekehrt erkennen unsere Systeme neuartige Viren mit höchster Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten 24h nach Auftreten.

Das hat natürlich den Nachteil, dass manche e-Mails nicht in Se­kun­den­schnelle von A nach B gelangen – ist aber immer noch besser als ein virenverseuchter Computer. Ein Kunde wollte das nicht einsehen und hat sich beschwert, dass Mails an ihn “lange” unterwegs gewesen seien. Die Erklärung mit der Quarantäne hat ihn nicht wirklich beruhigt. Er forderte, die Quarantäne zu beschleunigen, was, wie man ja oben sehen konnte, recht sinnlos ist. Gut, dass ich mir verkniffen habe zu sagen, dass die Quarantäne ja mal 40 Tage gedauert hat - ich habe vielmehr eine Statistik rausgekramt, wieviele der Mails, die in der Quarantäne waren, tatsächlich verseucht waren. Nun war auch der Kunde beruhigt.

Wir haben uns alle ganz schön abhängig gemacht davon, jeden Menschen auf der Welt in Sekunden erreichen zu können - aber davon leben wir schließlich.

(Bildquelle: http://www.digitaljersey.co.uk)

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