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Voll panne!

Von wegen Überflieger: Zahlreiche Passa­giere einer durchaus nicht unbekannten Fluggesellschaft mussten am 1. Juni sprich­wört­lich „auf dem Boden bleiben“ – es kam zu Ver­spätungen und langen Warte­zeiten.

Selbstverständlich hatte die Luft­hansa für diesen Ausfall auch sofort eine Begründung parat:

Das Update ging schief: Weil der Computer der Lufthansa die Ladelisten der Flugzeuge nicht mehr zusammenbekam, blieben am Sonntag einige Flieger am Boden. (…) Die Informatiker der Fluggesellschaft hatten eine Routine-Sicherung der Daten gemacht, alles wieder aufgespielt und waren gerade dabei, die Rechner hochzufahren. Da gerieten die Daten im Computersystem kräftig durcheinander. 

(Meldung vom 01.06.08 auf spiegel.de)

Bei einem Routine-Update des Betriebssystems und einer Datensicherung in der vergangenen Nacht sei es zu Veränderungen bei den Daten der Flüge gekommen, teilte das Unternehmen mit. (…)

(Meldung vom 01.06.08 heise.de)

Soweit so gut? Interessant wird die ganze Geschichte erst durch den Beitrag eines Technikers, der den o.g. Heise-Artikel am darauf folgenden Tag wie folgt kommentierte:

Mein Server hatte auch im selben Datencenter am Sonntag ein Problem. Aus irgendeinem Grund hatte mein Server neu gebootet. Im selben Datacenter befindet sich auch Lufthansa Systems. Irgendwie glaube ich, dass da ein Stromausfall war!

Watson, ich kombiniere:

Die Lufthansa redet von einem Update, das also schiefging. Kann passieren, muss man die alte Software wieder aufspielen. Und dann ist die Rede von einem Routinebackup, das sich nicht richtig einspielen ließ. Hmm. Ein Backup, das gleich wieder eingespielt wird? Dass sich das so unglaubwürdig anhört kann natürlich daran liegen, dass sehr viele Leute nur irrtümlich glauben, sich mit Computern auszukennen. Andererseits: Der Server eines Technikers, der im gleichen Datencenter steht, bootet spontan am selben Tag neu. Irgendwie stinkt diese Geschichte kerosinartig zum Himmel…

Wenn es nur ein Stromausfall war – das wäre wohl das plausibelste – wieso dann diese Geschichten? Ich hoffe mal, es war einfach nur die sprich­wört­lichen Kommu­ni­ka­tions­schwie­rig­keiten zwischen Techni­kern und Mel­dungs­schrei­bern. Sonst würde ich das nächste Mal doch lieber mit dem Bus fahren….

Ein Kommentar

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  1. lorila
    23. Juni 2008 (15:29) | Permalink
    1

    Sehr geehrter Herr Netzheimer,
    also das mit der Koinzidenz von Zufällen ist ja immer wieder verwirrend. Und auf den den Kilometer gerechnet ist der Bus auch nicht sicherer als das Flugzeug, weshalb es eigentlich egal ist, wie man umkommt. Aber nett ist an der ganzen Geschichte doch, dass inzwischen ein Fehler in der Software als normal und nicht geschäftsschädigend gesehen wird – ich denke da nur an die Helden der DTAG bei der Softwareentwicklung für die LWW-Maut – während ein hochkomplexer Stromausfall das Image scheinbar total ruiniert. Denn es hat ja nicht nur EIN Server zufällig gebootet, sondern ganze Serverbatterien versuchten ergebnislos wieder hochzufahren. Da ist also entweder der Stromausfall dem Softwareproblem zu Hilfe geeilt oder umgekehrt oder beides stimmt nicht. Wer weiss…

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