Von einseitigen Studien und verschwenderischen Avataren

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: Beim Ergebnis der Studie zum internationalen CO2-Verbrauch. Laut dieser Studie entspricht die abgegebene CO2-Menge des weltweiten Informations- und Telekommunikations-Equipments dem des internationalen Luftverkehrs. Das ist sogar mehr als die Menge an CO2, die das Auto meines Chefs (Sie erinnern sich?) alljährlich in die gebeutelte Atmosphäre bläst.

Doch aufgepasst! Das ist nur eine Seite der Medaille: Studien wie diese zeigen nämlich nicht auf, wie viel CO2-Ausstoß durch die Nutzung von IT eingespart wird. Denken wir doch mal darüber nach, wie viele Geschäftsreisen per Auto oder Flugzeug allein dank Online-Videokonferenzen wegfallen… Die Meinungen zum aktuellen „Green IT“-Hype sind sowieso gespalten. Man kann darin auch einfach eine Maßnahme diverser IT-Unternehmen sehen, um neue Hardware zu verkaufen. Und wenn ich mir überlege, wie viel Energie dafür aufgebracht werden muss, um umweltschonendere Computertechnik herzustellen…

Zum Thema „Energieverbrauch“ fällt mir in diesem Moment eine interessante Frage ein, auf die ich letztes Jahr im Netz gestoßen bin: „Wie viel Energie verbraucht ein Avatar in Second Life im Vergleich zu einem wirklichen Menschen?“ Ich habe mal eine erste grobe Rechnung durchgeführt: Wenn wir davon ausgehen, dass für den Betrieb von „Second Life“ etwa 2.000 Server mit einer Leistung von durchschnittlich 200 Watt benötigt werden – sowie im Durchschnitt 12.500 Nutzer mit einer jeweiligen PC-Leistungsaufnahme von 200 Watt online sind, kommen wir auf folgendes Ergebnis: Alle 12.500 Avatare, die durchschnittlich online sind, verbrauchen pro Jahr soviel Energie wie etwa 45.000 Inder, 13.000 Chinesen oder 10.000 Brasilianer. Wahnsinn, oder?

Bleibt also zu hoffen, dass bald eine Lösung für solch unschöne Tatsachen gefunden wird. Schließlich arbeiten bereits zahlreiche IT-Unternehmen an umweltschonenden Systemen. Dabei kommen sogar skurrile Dinge zustande. Aber dazu mehr in meinem nächsten Beitrag…

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